13 Ziemlich beste Freunde

 

Der Countdown läuft, die Uhr tickt. Besonders die Rolex-Exemplare von Gianluigi Buffon. Ist die Zeit schon abgelaufen? Alles zu spät? Im italienischen Fußball ist nur eines gewiss: Der nächste Betrug kommt bestimmt. Schade eigentlich, dass Stuttgarts Julian Schieber keine zweite Staatsbürgerschaft hat. Mit seinem ausgesprochen wohlklingenden Nachnamen würde er die Squadra Azzura ohne Zweifel bereichern. Wetten?

 

In ein paar Stunden beginnt die Europameisterschaft mit dem eines Auftaktspiels absolut würdigen Knüllers Polen - Griechenland. Das sprüht geradezu vor grenzenloser Attraktivität und könnte höchstens noch vom Traditionsduell Vatikanstaat versus San Marino in den Schatten gestellt werden. Die deutsche Mannschaft greift dann am morgigen Samstag offiziell ins Turnier ein. Imaginär stehen Jogis Jungs hingegen längst am 1. Juli in Kiew auf dem Rasen. Da muss man dem Bundestrainer applaudieren. Er setzt richtigerweise auf einen Bayern-Block, denn die Münchner Belegschaft weiß schließlich, wie man ein Finale erreicht. Würde er stattdessen die Double-Dortmunder aufbieten, könnte auch unser Mann vom Fach bloß machtlos in der Nase bohren. Doch lobenswerterweise wurden eben erwähnte Präventivmaßnahmen ergriffen. Den Vorwurf „Eltern haften für ihre Kinder“ will man sich möglichst ersparen. Zumal bei diesem lausigen Betreuungsgeld... Angesichts Hummels‘ DFB-Syndrom aber wäre sogar Trainer-Halbgott Joachim mit seinem Schwäbisch bald am Ende. Deshalb macht Löw bis zum Endspiel schon mal vieles richtig. Über alles, was danach kommt, muss er freilich noch ausgiebigst mit seinem Friseur beratschlagen. Oder mit Angela Merkel. 

 

Derlei Luxus-Probleme hätte unsere Konkurrenz gern. Eine kleine Bestandsaufnahme einiger Sparringspartner (Brasilien wird hierbei weggelassen, da nicht für die EM qualifiziert) soll verdeutlichen, warum:

 

Portugal: Mittelfeld-Motor Raul Meireles hat mehr Tätowierungen als Spielverständnis. Flickflack-Akrobat Nani wäre vermutlich im Kunstturnen besser aufgehoben. Und „Der-Star-bin-ich“-Sonnenkönig Cristiano Ronaldo hatte diese Woche nun wahrlich andere Sorgen. Er musste sich bereits mental, seelisch (ist das nicht dasselbe?) und vor allem körperlich auf Heidi Klums Topmodel-Entscheidungsshow einstellen. Aus gut unterrichteter Quelle ist die Kunde zu mir vorgedrungen, dass sich das braungebrannte Naturwunder dabei schwerer verletzt hat: Eine ganze Nation bangt um seinen eingerissenen Fingernagel. Ronaldos Einsatz gegen Deutschland entscheidet sich erst kurzfristig. 




















England: Befassen wir uns weniger mit den zahnlosen Löwen als lieber mit ihrem Oberhaupt - der Queen. 60 Jahre Monarchie, welch eine Ära. Entsprechend der Aufmarsch, das Zeremoniell sowie die Sangeseinlagen: Paul McCartney, Elton John, Cliff Richard and so on. Robbie Williams kreischte wieder einmal, dass er die Leute gerne unterhalten würde und schaffte es auch. Soweit die feierlichen Höhepunkte Großbritanniens in 2012. Schwebt hingegen die vor sich hinrumpelnde Fußball-Nationalmannschaft aus dem fernen Ostblock gen Heimat (etwa um den 20. Juni), dürfte vom pompösen Erscheinungsbild zurecht nichts mehr übrig sein. Angemessen empfangen werden Rooney und Konsorten, wenn sich ProSieben-Elton für einen peinlichen Gastauftritt breitschlagen lässt. 

 

Spanien: Panik-Attacken im Lager der Iberer. Coach Vicente del Bosque (61), ein Anhänger von Telefonen mit Wählscheibe, hatte ein striktes Verbot sozialer Netzwerke ausgesprochen. Weil die Abhängigkeit des Titelverteidigers aber solche Ausmaße annahm, dass der unter Zwangsentzug stehenden Tiki-Taka-Abteilung aufgrund ihrer Zitterfüße die Bälle beim Stoppen weiter wegsprangen als einem Mario Gomez in Normalform, erkannte del Bosque rasch die Sinnlosigkeit seiner Maßnahme. Zwei Tage und unzählige Schweißausbrüche später wurde die Order für nichtig erklärt. Woher man das weiß? Ganz einfach: Von Höllenqualen erlöste Suchtkranke posteten so schnell es nur ging...

 

Niederlande: Unsere Lieblings-Nachbarn kennen sich mit dem schwarz-rot-goldenen Angriffs-Dilemma ebenfalls zur Genüge aus. Nur dass der Bondscoach zwischen zwei Fußballern wählen kann, während Jogi Löw entweder einen Fußballer (Klose) bringt oder eben - Gomez. Jedenfalls nimmt der orange Stürmer-Zweikampf inzwischen leicht infantile Züge an. Kindsköpfe, wohin man schaut. Arbeiten wir die Geschehnisse in angebrachter Manier kurz auf:

In Holland, da gibt es den Klaas und den Robin. Beide spielen und lachen und freuen sich einfach sooo gern. Früher mochten sich der Klaas und der Robin auch ganz doll. Weil das Spielen miteinander immer so lustig war. Der Klaas hat seit August 2011 in der „Knappen“-Gruppe 29 Mal am Lautesten gejubelt und geschrien. Der Robin in der „Gunners“-Gruppe sogar noch einmal öfter. Jetzt haben sich der Klaas und der Robin leider gestritten. Weil der strenge Bert (nicht zu verwechseln mit dem milden Berti) den Robin lieber mag und ihm den Platz zum Spielen, den auch der Klaas so gern hätte, gegeben hat. Der Klaas muss dafür auf die stille Bank. Das gefällt dem Klaas gar nicht. Er hat die Arme verschränkt, sein trotzigstes Gesicht aufgesetzt, mit dem Fuß auf den Boden gestampft und gemeckert: „Das ist gemein!“ Was wiederum den Bert und den Mark, der lange Zeit Chef-Grätscher in der „Bayern“-Gruppe war, wütend macht. Der Bert hat sogar vorgeschlagen, dass sich das niederländische Parlament (also die Kita-Verwaltung) überlegen soll, wer weiter spielen darf und wer nur Bauklötze staunen kann. Bis dahin behält der Klaas sein trotzigstes Gesicht und bockt. Der Arjen hat von alledem übrigens nix mitbekommen: Er übt eifrig Solo-Läufe. 

 

Bringen wir es also auf den Punkt: Ob Mafia oder Manipulation, ob FCB oder BVB, ob Pediküre oder Maniküre, ob Elton John oder Elton für Arme, ob Facebook oder Twitter, ob Klaas oder Robin - mögen die Spiele beginnen.


Juni 2012