1 Torhagel

 

Schauen wir den Tatsachen ins Auge: In unserem geliebten Lande läuft vieles schief. Da haben wir seit zwei, drei Tagen ein neues, noch dazu von einer breiten Mehrheit (Senta Berger, Ingo Appelt, Otto Rehhagel,...) ins Amt erhobene Staatsoberhaupt, aber ganz Deutschland redet nur über das Schnick-Schnack-Schnuck des FC Bayern.

Von mangelndem Respekt ist die Rede. Sie hätten den Gegner lächerlich gemacht. Ganz ehrlich, das ist doch reinste Polemik. Man muss sich nur mal die Fakten anschauen: Toni Kroos ist grade erst raus aus der Pubertät, und der Ribéry, ja mei, der bleibt halt auf ewig ein großes Kind. Lasst den beiden doch die Freude. Viel wichtiger ist eh die Frage, was als nächstes kommt. Spielen die Ersatzspieler bald Reise nach Jerusalem um die Auswechselbank? Initiiert der Verein ein Topf - , äh, Kopfschlagen? Bei den permanent roten Schädeln vom Uli und vom Jupp würde sich das ja geradezu anbieten. Etwa so: Kalt (Rummenigge), wärmer (Nerlinger) - heiß! Dann hat Ribéry die Rübe von Hoeneß getroffen. Und dann könnte man vielleicht darüber nachdenken, ob der Vorbildspflicht noch Genüge getan ist.

 

Auf den Deckel bekommen von den Bayern hat am Samstag ja auch der Otto. Der Torhagel Otto. 0:6, das ist stattlich. Die Bemerkung, dass er (73) beim Anblick des Berliner Krisenherds alt ausgesehen hat, verkneif ich mir an dieser Stelle. Denn im Grunde ist Otto der richtige Mann. Er kennt sich aus mit prekären Situationen. Jetzt macht sich bezahlt, dass er neun Jahre in Griechenland war. Die Hellenen und die Berliner Abwehr haben nämlich eines gemeinsam: Beides wankt bedenklich.

Überhaupt: In Berlin steppt der Bär: Erst ging Wulff (in den Vorruhestand), dann kam Rehhagel (aus der Akropolis), dann Gauck (aus dem Osten), und bald ist Hertha BSC wieder dort (in der 2. Liga), wo sie herkamen. Zwischendurch kam Seehofer und ging Skibbe. Herrschaftszeiten, wer soll da den Überblick behalten!?

Alle fordern Chancengleichheit, also lebt sie vor! Rehhagel durfte über Gauck bestimmen, dann muss Gauck auch über Rehhagel verfügen können. Gauck könnte beispielsweise Rehhagel entmachten und Wulff als neuen Trainer installieren. Oder noch besser als neuen Stürmer. Wenn Wulff nämlich Geschenke der gegnerischen Abwehrreihen nur halb so zielführend anzunehmen vermag wie Präsente in seiner ersten Karriere - dann schnuppert Hertha BSC noch am internationalen Geschäft. Jede Wette.

Ach ja, es ist ein Kreuz mit den Berlinern. Gaucks Job ist schon hart, aber der von Otto ohne Zweifel hertha.

 



















Der Fußball des Wintersports heißt Biathlon. Die Aufgabenstellung lässt sich wunderbar auf das jeweils andere übertragen: Laufen und Schießen. Kein Wunder, dass die Sportart boomt. Ins Mekka Ruhpolding pilgern ja mittlerweile mehr Menschen zu einem einzelnen Wettkampf als zu den Heimspielen des TSV 1860 in der ganzen Saison.

Nur: Wie lange noch? Jetzt, da die Sinnfrage über dem Biathlon in etwa so hoch zu schweben scheint wie Lichtgestalt Franz Beckenbauer über seinen Mitmenschen. Doch keine Bange, wie ich aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfuhr, wird die Disziplin wohl zumindest vorerst nicht aufgelöst. Und das trotz dieser mittelstarken Eruption: Magdalena Neuner, unsere Gold-Lena, hat`s dem Wulff gleich getan und ist zurückgetreten. Dass sie anstatt 52 erst 25 ist - geschenkt. Das Ausmaß der Tragödie ist ungefähr damit vergleichbar, wenn Schweiniözilneuergötzemüllerhummelspoldilahm geschlossen ihren Dienst quittieren würden. Oder alternativ eben der Ballack, das bleibt sich ziemlich gleich. Der Schaden für den deutschen Fußball wäre irreparabel. So oder so.

 

Formel 1 in Australien. Mensch, waren das früher noch Zeiten, als man um vier Uhr früh halb schlafwandelnd vor den Fernseher gekrochen kam. Nichts bleibt, wie es war. Heutzutage kann vor dem Start im Grunde der ganze Haushalt auf links gedreht werden. Eindeutiger Verlierer des Auftakts: Mercedes. Sie wollten gewinnen und haben jetzt genauso viele Punkte wie die schlechtesten fünf Teams der letzten Saison zusammen, nämlich gar keine. Glückwunsch! Das dürfte das Firmenimage in ungeahnte Spähren treiben. Hätten die Marketing-Strategen kaum besser hinkriegen können.

 

Was uns noch abgeht? Ganz klar, der Beitrag für alle Liebhaber des rustikalen Ballsports dreht sich selbstredend um den Turn - und Sportverein zu Giesing, unseren ewigen Aufstiegsaspiranten. Am Wochenende denkbar knapp wie unglücklich 1:4 daheim gegen Greuther Fürth unterlegen, aber die Rückkehr ins Oberhaus stets fest im Visier. Wobei die Pleite gegen die Fürther ja schon ein bisserl überflüssig war. Aber liebe Löwen, das kann gegen die aus ihrer jahrzehntelangen Teilnahme an der Bundesliga mit allen Wasser gewaschenen Franken schon mal passieren. Heute Abend verabschiedet Greuth im Pokal-Halbfinale dafür die Dortmunder Hobby-Kicker mit 5:1 aus der Trolli-Arena und schon ist der TSV mehr als rehabilitiert. Und der Aufstieg gleich wieder realistischer. Erst recht beim Gedanken an den Bundes-Jogi: Seit Jahr und Tag ein echter Löw`.

Wenn das keine Aussichten sind.


März 2012