MELZER TISCHT AUF

Autobahnkreuz-Samba 2.0...


Dennis Melzer

April 2015


…könnte man überspitzt und in Erinnerungen schwelgend das bezeichnen, was sich am vergangenen Samstag in der BayArena zugetragen hat. 


Man fühlte sich etwas zurückversetzt an jenen Tag, der in jedem Kalender eines Leverkusen-Fans mit einem roten Herzchen, Kringel oder, da lustige Emoticons noch nicht so allgegenwärtig waren, dem klassischen Doppelpunkt – Klammer zu versehen ist. Auch die Bayern Anhänger werden sich an eine der größten Bundesliga-Demontagen des aktuellen Jahrtausends erinnern. Zähneknirschend.

 

28. August 2004: Der Rekordmeister betrat in güldenen Trikots den stets perfekten Rasen des „Schmuckkästchens“ an der A1. Rabenschwarz hätte es am dritten Spieltag der Saison 2004/05 definitiv besser getroffen. Selten konnte man beobachten, wie es einer Mannschaft gelang, die Übermächtigen aus dem Süden derart vorzuführen. Das zwischenzeitliche 4:0, das einer Traumkombination von Ponte, Franca und Berbatov entsprang, bildete den Gipfel der Demütigung. 

 

„Wenn Sie Bayern-Fan sind, dann müssen Sie jetzt ganz ganz tapfer sein“, waren die Worte, mit denen ARD-Kommentator Steffen Simon die Sequenz beinahe mitfühlend einleitete.

  

Ein verrückter HSV-Bayern-Vergleich? Mitnichten.

 

Da der Hamburger SV derzeit aber weder die Attribute des FC Bayern, noch sonst eines Bundesligisten aufweist, würde es an Realitätsverlust grenzen, dem 4:0-Sieg über den Dino einen ähnlichen Stellenwert beizumessen. Einige Parallelen waren jedoch erkennbar – Vier Treffer, drei Protagonisten, zwei Doppelpacker. Aus Ponte, Franca und Berbatov wurden Castro, Bellarabi, Kießling – Schon klar, den einzigen Hauch von Samba versprüht im Moment der quirlige, bissige Wendell, der sich auf der linken Abwehrseite mit beneidenswerter Haarpracht austobt. Und trotzdem: Das Kombinationsspiel, das bisweilen aufkam, erinnerte an das Leverkusen, dem man gerne zusah.

 

Derby gegen Köln gewonnen

2004 die Bayern verputzt, 2015 Köln geschlagen - da lacht das Leverkusener Herz. Und das Trikot gleicht mit. LG (Liebe Grüße)


Generell befindet sich Bayer in einer Form, die man bei den Rheinländern in den letzten Jahren nur selten beobachten konnte. Vorne effizient und in der Defensive durchaus konstant mit fünf Ligaspielen in Folge ohne Gegentreffer. Selbst in der Champions League, wo das obligatorische Scheitern im Achtelfinale zwar nicht abgewendet werden konnte, zeigte sich die Mannschaft von Roger Schmidt als ebenbürtiger Kontrahent. Vorbei scheint die Zeit, als Jubelstürme bei den Großen ausbrachen, weil ihnen die Achtelfinal-Auslosung in Nyon das „Freilos“ Bayer 04 Leverkusen beschert hatte. 

 

Doppelte Dienstreise in „Europas Chemieregion“

 

Jetzt bekommt es der FCB in vier Wochen gleich zweimal mit den Kickern aus der Farbenstadt zu tun. Im DFB-Pokal am 8. April und in der Bundesliga am 2. Mai, wenn die Bayern sich bereits Meister nennen dürfen. Ohne Alaba, Robben, Schweinsteiger und Ribéry (zumindest im DFB-Pokal) könnte es ein schwieriges Unterfangen werden, die „Mission Triple“ erfolgreich auszuführen. 

 

Leverkusen scheint gewappnet für den Kracher. Bayern auch?