Interview - Rolf Fuhrmann 

„Eine gewisse Distanz sollte immer da sein"

 


März 2014. Ein Buch, lässt mich Rolf Fuhrmann wissen, wollte er eigentlich noch nicht schreiben. Die Liste der Fragen ist lang, wahrscheinlich zu lang. Dafür gibt der Mann, den fast alle Rollo nennen, aber auch viel Interessantes her. Seit 1992 arbeitet der gebürtige Ostfriese bei Sky (ehemals Premiere), und inmitten einer sich wandelnden Fernsehlandschaft ist Rolf Fuhrmann die Konstante. Umso mehr freut und ehrt es mich, dass er sich sofort bereit erklärte, ein virtuelles Gespräch zu führen. Übrigens: Nicht die gekürzte Fassung der Fragen landet ausgefüllt in meinem Postfach - sondern die ursprüngliche Variante. Also das Buch. Das mir schon ein schlechtes Gewissen machte. So ist er wohl, der Rollo...   

 

Hallo Herr Fuhrmann, muss man heutzutage Deutsch und Geografie auf Lehramt studieren, um beim Sportfernsehen zu landen?

 

Rolf Fuhrmann: Kann man, muss man aber nicht. Ich bin da auch nicht der Ansprechpartner.

 

Was macht ein Fieldreporter unter der Woche, wenn die Champions League ansteht, aber man persönlich nicht eingeteilt ist?

 

Es gibt ja auch noch die Europa League. Es stehen Konferenzen oder andere Termine an sowie Recherche und überhaupt auf dem Laufenden bleiben. Man sollte Bescheid wissen, wenn es drauf ankommt.

 

In dieser Bundesligasaison sind Sie zum Moderator mutiert, präsentieren mit Stefan Hempel die interaktive Show „Samstag LIVE!“. Ein später beruflicher Aufstieg. Wie kam es dazu?

 

Wir haben zum CL-Finale „Wembley Call In" gemacht und Sky fand es super. Eine interaktive Fußballshow, kompetent und unterhaltend war das Ziel.

 

Letzte Woche hatten Sie Manager-Legende Reiner Calmund zu Gast. Ihr Umgang wirkte vertraut, fast freundschaftlich. Ist es etwas Besonderes, mit den Großen der Fußballszene auf Du und Du zu sein? Oder ist der Austausch doch distanzierter, als es den Anschein hat?

 

Eine gewisse Distanz sollte immer da sein. Aber klar, wenn man sich so lange kennt, besteht auch Vertrautheit. Es ist interessant, viele Große der Branche zu kennen und zu sprechen, manchmal auch etwas Besonderes.

 

Hatten Sie zu Beginn Ihrer Reporter-Laufbahn eine gewisse Scheu vor den berühmten Spielern, Trainern, Funktionären?

 

Nein. Warum, weiß ich auch nicht.

 

„Ich hatte nie einen Karriereplan"

 

Als sie Sich 1991 bei Premiere bewarben, waren Sie Anfang 40, hatten ein abgeschlossenes Lehramtsstudium, als DJ aufgelegt und als Taxi-Fahrer gearbeitet. Wie kamen Sie auf die Idee, plötzlich ins Fernsehen zu wollen?

 

Na ja, ich hatte ja vorher schon 3 Jahre als Radioreporter und Moderator gearbeitet. Als der Hamburger Sender Radio 107 sein Programm auf deutsche Schlager umstellte, bin ich gegangen und nach kurzer Zeit auf die Idee gekommen, zu Reinhold Beckmann zu gehen und zu fragen, ob ich nicht mitmachen könne bei dem spannenden Projekt Premiere, auch wenn ich keine Ahnung vom Fernsehen hatte. Es klappte.

 

Hatten Sie je einen Karriereplan?

 

Nein, noch nie.

 

Wären Sie Lehrer geworden, hätten Sie 18-jährigen Schülern bohrende Fragen gestellt. So sind es 18-jährige angehende Millionäre...

 

Nicht nur. Aber es ist mir nicht unangenehm.

 

Ein Dauerthema ist die (angebliche) Medienschulung der jungen Generation. Gibt es die denn wirklich?

 

Klar gibt es die und ich begrüße es, wenn auch Fußballer ein vernünftiges Gespräch führen können und nicht nur Plattitüden von sich geben. Die Jugendinternate sind da sehr hilfreich.

 

Früher wirkten die Profis unmittelbar nach Spielschluss merklich aufgekratzter. Da konnten schon mal Wörter fallen, die heutige PR-Abteilungen aufschrecken würde. Ist es schwieriger geworden, ein Interview zu führen, das sich vom Einheitsbrei abhebt?

 

Nein. Jedes Spiel ist neu und somit sind auch die Themen und Fragen immer etwas anders. Einheitsbrei, finde ich, beschreibt es nicht richtig. Zu unterschiedlich sind die entstehenden Situationen.

 

Legen Sie sich Ihre Fragen vorher zurecht oder ergibt sich das spontan, aus dem Gespräch heraus?

 

Einiges an Themen legt man vorher fest, aber nicht alles. Man sollte immer auch zuhören können, um zu reagieren. Zuhören in Live-Situationen ist übrigens ziemlich schwer, zumal auch noch jemand aus der Regie auf‘s Ohr sprechen könnte.

 

Sky tituliert Sie offensiv als „Kult-Reporter“. Reicht es, 20 Jahre im Geschäft zu sein, um diesen Status zu erlangen? Irgendwoher muss Ihr Image ja rühren.

 

Ich weiß nicht, woher das rührt. Es war mit einem Mal da. Von mir stammt es nicht.

 

„Die Uhr zurückdrehen? Unsinn!“

 

Hatten Sie nie Ambitionen, den Arbeitsplatz am Spielfeld zu verlassen? Sprich: 90 Minuten zu kommentieren, vielleicht eine ganze Übertragung zu moderieren?

 

Nein. Das ist ein ganz anderer Job, 90 Minuten die Menschen zu unterhalten, zu informieren und ihnen nicht auf die Nerven zu gehen. Nicht mein Ding.

 

Ich würde Sie bitten, die fünf nachfolgenden Thesen zu bejahen oder zu verneinen. Die erste bezieht sich auf Ihre Anhängerschaft beim FC St. Pauli.

Bin ich privat am Millerntor, gehe ich in den Fanblock, trinke Bier und esse Wurst.

 

Ich bin nie im Fanblock, bei keinem Verein, trinke so gut wie nie Bier, aber liebe Bratwürste. Bin aber mit sehr vielen Fans via Facebook und Twitter verbunden und schreibe die Posts und Tweets immer selber.

 

Mich ärgert es, dass sich viele über mein WG-Leben amüsieren.

 

Ist doch schön, wenn sich Menschen amüsieren und nicht ärgern.

 

Ich twittere nur unter @Sky_Rollo, weil Sky das so will.

 

Quatsch. Ich mache es, weil ich es gut finde, für sinnvoll und meine Timeline für sehr kreativ und unterhaltsam halte.

 

Ich hätte kein Problem damit, wieder DJ und Taxifahrer zu sein.

 

Im Grundsatz kein Problem. Mittlerweile ist das aber doch ziemlich fern und erledigt. Aber ich habe beides sehr gemocht.

 

Wenn ich könnte, würde ich das „Meister-Interview“ mit Andreas Müller ungeschehen machen.

 

Unsinn. Ich kann und will das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen.

 

Die fatale Meisterkunde scheint Ihnen erheblich mehr geholfen als geschadet zu haben - Stichwort Bekanntheit, Stichwort Popularität, vielleicht sogar Stichwort Kult... Ein Paradoxon?

 

Vielleicht. Aber was soll’s. Ich hoffe nur, dass Schalke irgendwann doch Meister wird und die 4 Minuten im Mai Geschichte sind.

 

„Ich glaube der Buggy..."

 

Reicht die Bekanntheit so weit, dass Sie auf der Straße erkannt und angesprochen werden?

 

Mittlerweile ja und das bundesweit. Die Menschen sind aber fast immer sehr nett und entspannt. Manchmal Foto, manchmal Autogramm oder nur einfach etwas Talk. Alles ok.

 

Sie haben Ihren Beruf öfter als „Traumjob“ gerühmt. Finden Sie auch negative Seiten?

 

Nein. Klar gibt es im Leben und im Job immer wieder kleine Momente, wo man etwas sauer oder genervt ist. Aber letztendlich sind das winzige Kleinigkeiten.

 

Welche Sportarten verfolgen Sie neben dem Fußball intensiver?

 

Außer Reiten, Turnen, Baseball, Golf und Kricket fast alle.

 

Nach unzähligen Interviews, (An-)Moderationen, On-Air-Einsätzen: Kribbelt es immer noch, kurz bevor es auf Sendung geht?

 

Ja, es ist immer wieder eine gewisse Anspannung da und auch Vorfreude auf das, was da so kommt.

 

Herr Fuhrmann, vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit. Abschließend: Wer hält sich länger - Sie vor der Kamera oder Ihr selbstgebauter Buggy auf der Straße?

 

Ich glaube der Buggy.

 

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