Interview - Twitter-Parodist Fritze von TuT

„Es ist ein von Gott gegebenes Talent“

 


Februar 2014. Mein hehrster Moment: Sprachartist und Vorzeige-Imitator Fritze von TuT stellt sich den knallharten Fragen von Mittermeiers Sportblog. In legerem Ambiente schwadroniert der Österreicher, seit über 20 Jahren bei Premiere (ehemals Premiere World), über seine Freude am Twittern, die Originalität von Wortschöpfungen, die Uerdinger Grotenburgkampfbahn - und welches (unrealistische) Ereignis ihn veranlassen würde, seine Kommentatoren-Karriere zu beenden. 

 

Grüß Sie Gott, Herr Fritze von TuT, wie ist das Wetter bei Ihnen?

 

Fritze von TuT: Vor und nach dem Regen trocken. Am Abend ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen.

 

So? Ich hätte ein „Donnerwetter“ erwartet. 

 

Du willst mich wohl in den April schicken! Donnerwetter!

 

Sie gelten als Farbtupfer der Szene, aber trotz Ihrer unbestrittenen Popularität tummeln sich im Internet böse Gruppen, die Ihnen das Mikrofon entziehen wollen. Manche bezeichnen Sie als „Dampfplauderer“, der vom Fußball so viel Ahnung habe „wie eine Kuh vom Handorgelspielen“. Spielen Sie selbst Handorgel? 

 

Nein, aber dafür fröne ich mit beachtlichem Erfolg dem Maultrommel-Spiel, und bisweilen vertreibe ich mir die Zeit auch mit Taschenbillard.

 

Und mit dem Internet, wenn ich ergänzen darf. Gerade Fußball-Kommentatoren erleben durch anonym geäußertes „Feedback“ eine harte Zeit. Viele schotten sich ab, Sie hingegen stellen sich der Kritik, betreiben aktiv das soziale Netzwerk Twitter und kommunizieren dort mit der breiten Basis. 

 

Ja, man muss eben mit der Zeit gehen. Seitdem ich meine Schreibmaschine mit dem Telefonkabel verbunden habe, kann ich nun auch direkt mit dem gemeinen Bürger von der Straße in Kontakt treten. Das ist zumeist ein ganz prächtiger Spaß, bisweilen aber auch schockierend. Es haben sich sogar schon richtige Lausbuben bei mir gemeldet.

 

Bekanntlich erlaubt Twitter nur 140 Zeichen. Sie heißen mit vollem Namen Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar von Thurn und Taxis, damit wäre die Zeile vor der eigentlich Aussage überfüllt. Bezeichnen Sie sich deshalb kurz und knapp als @TuT_Parody

 

Nein. Friedrich Leonhard Ignatius Josef Maria Lamoral Balthasar ruft mich eigentlich nur meine Gattin. Und auch die nur, wenn es um die Erfüllung der ehelichen Pflichten geht.

 

Das leuchtet ein. Sie sind berühmt für Ihre Art des Kommentierens - blumig, geradezu liebreizend, in jedem Fall stilistisch. Woher rührt Ihre Gabe für die expressive Artikulation? Nur der Adel?

 

So etwas kann man in der Tat nicht lernen. Es ist ein von Gott gegebenes Talent. Und gleichzeitig natürlich aufgrund der hohen Erwartungen des Zuschauers eine Bürde. Aber eine, mit der man leben kann.

 

Im Hause Premiere arbeiten Sie bereits seit 1993. Seitdem ist viel passiert, vor allem im Umfeld. Das Münchner Olympiastadion hat sein Erscheinungsbild über die Jahre stark verändert. Auch das Schalker Parkstadion ist kaum wiederzuerkennen, vom Stadion Rote Erde in Dortmund ganz zu schweigen.

 

Ein wahres Wort. Der Fußball ist ein sehr schnelllebiges Geschäft. So wird inzwischen schon jedes Jahr auf‘s Neue der Deutsche Meister gekürt. Besonders vermisse ich aber die Uerdinger Grotenburgkampfbahn. Es war dort immer so familiär mit den zwei Duzend Zuschauern. So etwas gibt es heuer nur noch in Wolfsburg, Leverkusen und Sinsheim.

 

Der Sportjournalismus unterliegt einer zunehmenden Feminisierung. Schön und gut?

 

Ach Gott, hübsch anzuschauen sind sie ja schon. Vor allem die Doris Papperitz. Die ist ein richtig flotter Feger. 

 

Ich muss doch sehr bitten! Sie sind ein Vertreter der alten Reporterschule, dereinst glänzten Sie gar mit zoologischen Kenntnissen: „Der Fuchs ist ein Hund!“ Oder Sie entlarvten mysteriöse Geburtsurkunden: „Der ist gerade erst 19 geworden. Das hat ja ewig gedauert, der war ja ewig 18." Woher beziehen Sie Ihre Exklusiv-Informationen?

 

Mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung, da brauche ich mich nicht mehr auf ein Fußballspiel vorzubereiten. Ich weiß einfach, was in den Köpfen der jungen Burschen vor sich geht, wenn sie mit ihren strammen Waden das runde Leder über den saftig grünen Rasen jagen.

 

Bei haarigen Spielsituationen greifen Sie dabei gerne auf ausdrucksstarke Vokabeln wie „UUUUIIIIIIII“, „HUUUIIIIIIIII“ oder auch „HEEEIIIIIIIII“ zurück. Wie wägen Sie ab, wann welcher Laut zum Einsatz kommt? 

 

Das ist ganz spontan und bisweilen setze ich sogar Kombinationen meiner Wortschöpfungen ein. Was schert mich da der Duden? Das ist ein Ding.

 

„Marcel Reif? Der Bub hat ein Problem“

 

Auf der TuT-Skala von 1 bis 10, wobei Letzteres die „HUUUIIIIIIII“-Stufe darstellt: Welcher Kollege kommt Ihrem Ideal am Nächsten?

 

Das ist einfach. Das sind Heribert Faßbender und Werner Hansch. Und auch der Gerd Rubenbauer macht seine Sache nicht schlecht.

 

Kennen Sie Premiere-Nachwuchstalent Marcel Reif? Er könnte Ihnen irgendwann den Rang ablaufen. 

 

Nein, das glaube ich nicht. Der Bub hat nämlich ein Problem. Im Gegensatz zu mir pflegt er stets mit einem negativen Unterton zu kommentieren. Fällt ein Tor, spricht er zumeist nur von der "dilettantischen Leistung der Verteidigung", anstatt sich, wie ich, an der Schönheit des Tores und der prächtigen Leistung des Schützen zu erfreuen. Außerdem fehlt ihm der Schnörres.

 

Ein eklatanter Wettbewerbsnachteil, das stimmt. Früher schickte Sie der Bayerische Rundfunk zu Olympia. Heute, Sie haben es angerissen, führt die Reiseroute teilweise nach Wolfsburg. Da stellt sich die Frage nach der Motivation, immerhin sind Sie - mit Verlaub - im rentenfähigen Alter. 

 

Das Wissen um meine Beliebtheit beim gemeinen Volk ist mir Ansporn und Verpflichtung genug. Und was sollte ich denn sonst mit der ganzen Freizeit anfangen? Ich bin ja jetzt schon häufiger in Bad Kissingen als daheim.

 

Und zu allem Elend auch noch Anhänger des TSV 1860. Wie schwer ist es, sich bei Löwen-Spielen gedanklich umorientieren müssen, was Erwartungswert und auch Sportart angeht?

 

Diese Frage verstehe ich nicht. Die Löwen haben doch gerade erst das Derby gegen den FC Bayern gewonnen - wenn auch nur bei den wackeren Amateuren. Aber das sind ja eigentlich die richtigen Fußballer. Die machen es nicht des schnöden Mammons wegen.

 

Es wäre erfreulich, wenn Sie weitermachen, bis 1860 aufsteigt. Dann dürften wir Ihre Eloquenz und Expertise noch lange verköstigen. Welche Ziele und Wünsche hegen Sie für die Zukunft?

 

Ich habe meinem Kollegen Werner Hansch '74 bei einem Gerstensaft versprochen, so lange weiter zu kommentieren, bis Schalke einmal Deutscher Meister wird. Und ich pflege mein Wort zu halten.

 

Herr Fritze von TuT, ich bedanke mich sehr herzlich für das launige Gespräch. Abschließend würde ich Sie um eine Prognose bitten: Nach Otto Rehhagels Rauswurf - kann der FC Bayern noch Meister werden? 

 

Ja, das denke ich schon. Jetzt hat ja der Franz übernommen und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass nach der Saison im ganzen Land "Viiizeee-Vize-Kaiser Franz"-Gesänge durch die bundesdeutschen Arenen schallen werden... #HUIHUIHUIHUIHUIHUIHUI


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Zum Thema

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