16 #GenerationSky: 

Feiern Sie sich bitte selbst!

 


Oktober 2014. Sky hatte zur „Generation“ geladen, und rund 300 geladene Gäste kamen. Auch ich. Warum, weiß eigentlich keiner. Schön war‘s trotzdem - und aufschlussreich. 

 

Es beginnt mit Google. Die Rundmail, die am Tag vorher eintrudelt, ist mit „Generation“ überschrieben und enthält neben Ort, Zeit, Anfahrtsskizze auch diese Bemerkung: „Dress-Code: Smart Casual“. 

 

Nun ja.

 

Dazu muss man wissen, dass ich keinerlei Erfahrung mit derartigen Events habe, weder aktiv noch passiv. Die Veranstaltung, die Pay-TV-Sender Sky für den 30. Oktober 2014 angekündigt hat, ist firmenintern die größte seit drei Jahren, da ist es klar, dass man sich adrett zu kleiden hat. Die Suchmaschine bestätigt vage Vermutungen, wenngleich es diffiziler zu sein scheint als angenommen - behaupten diejenigen, die Texte publiziert haben mit Wegweisern durch virtuelle Kaufhäuser. Und da lungert „Smart Casual“ unter einer Mixtur aus sportlich, leger und elegant, modische Fettnäpfchen inklusive. 

 

#Generation Sky, die Destination des Abends. Eine Reithalle in München, geladene Gäste, geschlossene Gesellschaft. Und ich. Schon lustig, denn ich kenne keinen und keiner kennt mich.

 

Blog-Kollege Florian Hellmuth - er kennt einige und einige kennen ihn - hat mir die Einladung beschert. Es ist eine Ehre, wirklich. Und, das kann ich vorwegnehmen: Ein Erlebnis.




















Enttäuscht oder erfreut?

 

Sky hat schwere Geschütze aufgefahren, um seine „Generation“ am 30. Oktober zu promoten; vier Tage schwirrt eine virale Kampagne durch die Social-Media-Kanäle, mit Bildern, die viel zeigen, aber nichts offenbaren. Geheimniskrämerei, zutiefst verdächtig. Für Verwunderung sorgt, dass die Essenz der Veranstaltung bereits am Donnerstagnachmittag nachzulesen ist, medientauglich verarbeitet: Der Sender initiiert die Alternative zum Abo, namentlich „Sky Online“, und bringt darüber hinaus die ersehnte Android-Version von SkyGo an den Start. Zwar hege ich gerade beim Preis-Leistungs-Verhältnis des Sport-Tagestickets gewisse Bedenken, möchte mich mit inhaltlichen Einschätzungen jedoch zurückhalten. Eine sehr gute, da kritische Analyse liefert der Sportmedienblog.

 

Am Morgen nach dem Event habe ich auf Twitter massenhaft negative Resonanz derjenigen aufgeschnappt, die nicht „live“ dabei sein konnten. Ihr Vorwurf, Sky hätte viel versprochen und weniger als nichts davon gehalten, beinhaltet sicher einen diskutablen Kern. Ich hatte ebenfalls mit einem großen offiziellen Teil gerechnet, mit Norm und Form und der ausufernden Etikette. Ich hatte Bekanntgaben von Techniktrends erwartet, ein abendfüllendes Programm, und ich weiß gar nicht, ob ich rückblickend enttäuscht oder erfreut sein soll. Von alldem ereignet sich nämlich: Nichts. Jedenfalls nicht viel.

 

Um 19 Uhr geht es los, um 22 Uhr, also drei Stunden später, folgt der erste - und einzige - protokollierte Part. Viola Weiss kündigt Sky-CEO Brian Sullivan an, der eine launige Rede schwingt, die auch den Begriff „Generation“ erläutert. Das Label sei nicht auf alt oder jung, männlich oder weiblich komprimiert, sagt Sullivan. Es genüge schon, Entertainment zu begehren, um zur vielbesungenen „Generation“ zu zählen.

 

Wenn man so will, ist DAS die Aussage des Abends. 

 

So bin ich unter dem Strich weder enttäuscht noch erfreut, sondern schlicht erstaunt. Weil ich Anderes erwartet hatte. Deshalb verstehe ich jeden, der auf eine monumentale Innovation hoffte und letztlich mitansehen muss, wie Sky-Mitarbeiter, -Kunden und -Partner eine Party schmeißen. Denn nichts anderes ist es: Eine Party bei Discolautstärke und Freibier. Feiern Sie sich bitte selbst!

   

Ich möchte nicht egoistisch klingen, aber als Anwesender ist das durchaus cool. Genauso unwidersprochen bleibt, dass Außenstehende, die via Facebook und Twitter emotionalisiert wurden, keinen tatsächlichen Nutzen aus dem 30. Oktober schöpfen können. Andererseits ist der Gesprächsstoff der „Generation“ ein Kompliment für zielgerichtetes Marketing. Dass die Ansprüche der Followerschaft (des Kundenstamms) nicht dauerhaft potenziert wie provoziert werden dürfen, sollte allerdings selbsterklärend sein. Sonst verkehren sich Kampagnen zum Eigentor.

 

Für mich persönlich wird das Ganze auch wegen des Austauschs auf Twitter speziell. Also: Wegen Euch. Man merkt, dass Ihr mir - und Flo - die Vor-Ort-Präsenz nicht missgönnt. Vielen Dank für Retweets, Favoriten und Kommentare!

 

Esther, die Erscheinung

 

Die Reithalle selbst ist in mehrere Sektionen unterteilt; ein Eingangsbereich mit kleinem Laufsteg, der Anflug eines Labyrinths, das verschiedene Sky-Angebote repräsentiert (etwa ein Formel-E-Bolide), sowie eine Location mit Lounge, Bar und Bühne. Die „Fantastischen Vier“, frisch 25-jährig vermählt, bieten ein Privatkonzert für die rund 300 Besucher, Hintergrund sind geschäftliche Verzahnungen mit SkyGo. Die Einlage schließt an Sullivans Auftritt und vor die Open-End-Devise des Abends, und spätestens hierbei lässt das Alkohol-getränkte Volk eine Etikette fallen, die es nie gab. Man plaudert über Drobny und Adler, Film und Fernsehen, Gott und die Geschäftswelt. Neudeutsch „Networking“.

 



















Als Gast fühlt man sich wichtiger als man in Wirklichkeit ist. Ich sehe das im Übrigen generell, nicht personenbezogen. Sky baut sich eine Traumwelt mit eigenem Planeten, und das ist in Ordnung, weil es zum Business gehört. Allerdings muss sich ein Novize wie ich erst akklimatisieren. Was wiederum nicht bedeutet, dass es mir nicht gefiele, nach allen Regeln der Kunst bedient zu werden. Wer würde einen Getränkeservice der jungen Damen, die auch noch vorschriftsgemäß, aber sympathisch lächeln, als sich der Trubel auf dem Höhepunkt und die Leute im Dichtgedränge befinden, schon schroff abweisen? Eben.

 

Gerne gebe ich zu, auf mehr (sportliche) Prominenz spekuliert zu haben. Das größte Event seit drei Jahren!? Na gut, dann müsste der Kaiser in seiner Funktion als Sky-Experte doch vorbeischneien. Oder Effenberg. Oder Hitzfeld. Von mir aus Lothar Matthäus. Aber keiner kommt. Stattdessen, auch nett, bilden Didi Hamann, Christoph Metzelder und Heiner Brand die ges(ch)ichtsträchtige Speerspitze. Und Ballack. Simone Ballack. Die prompt von RTL interviewt wird. Jaja. 

 

Das Schöne ist, dass man Hände von Personen schütteln darf, die man nur aus Stadien und Studios kennt. Bei mir beschränken sich die Köpfe fast ausschließlich auf Sky Sport. Florian stellt mir Michael Leopold vor, Stefan Hempel, Sebastian Hellmann, Gregor Teicher, dazu Aline von Drateln (Film) und, ja, Esther Sedlaczek. Eine Erscheinung. Was freilich an ihrem Kulturbruch liegen könnte: High Heels statt Sneakers. 

 

Womit sich die Sache mit „Smart Casual“ wohlwollend fügt. Blazer, Hemd, feinere Hose. That‘s it. Manche tragen Krawatte, die meisten nicht. Am Ende interessiert der Aufdruck ohnehin niemanden. Die nicht-isotonischen Getränke lockern Zunge, Zwänge, Kleiderordnung. Und Tanzstil. 

 

Danke Florian, danke Sky Deutschland für die Einladung! Ich hätte nichts gegen eine Wiederholung einzuwenden...