2 Ein Dante kennt keinen Schmerz!

 

Michael Schumacher hat mir wie schon letzte Woche den Morgen versüßt. Startplatz drei, da hüpft das Fan-Herz! Dumm nur, dass der Teufel im Detail steckt: In den ersten beiden Jahren seines Comebacks, 2010 und 2011, war der Mercedes im Zeittraining schwach und im Rennen auch nicht besser. Jetzt glänzen sie in der Qualifikation, hecheln aber im Rennen weiter hinterher. So wird das morgen wieder nichts mit dem Podest. Erst wenn dieses Entwicklungstempo konserviert werden kann, sind vorsichtige Gedanken meines Lieblingsnachwuchspiloten an den ersten Sieg nicht mehr abwegig. Sprich: Um 2019 dürfte es soweit sein.




















Die Verantwortlichen des französischen Fußballverbandes haben derweil ein längst überfälliges Zeichen gegen die ausufernde Überlastung im Fußballgeschäft gesetzt, das es aufgrund seiner immensen Bedeutung wert ist, hier Erwähnung zu finden. Das Pokal-Aus von Bayerns Champions League-Gegner Olympique Marseille gegen einen Drittligisten stellte für die Krawattenträger das letzte Warnsignal einer gefährlichen Abwärtsspirale dar. Deshalb wurde das Ligaspiel von Marseille abgesagt, damit die empfindlichen Beinchen der von den Strapazen ihres knüppelharten Lebensalltags geplagten und geschundenen Olympique-Kicker endlich eine Ruhepause erhalten. Sommer - und Winterpause werden wirklich überbewertet, Berufsfußballer ist schon ein echter Knochenjob. Und dann erst diese kräftezehrenden Europapokalspiele unter der Woche... für die Geringverdiener der Szene ein wahrlich unzumutbarer Zustand.

Messi wird wenigstens noch entsprechend seiner Leistungen entlohnt wie sonst nur deutsche Fernsehprominenz: 33 Millionen Euro inklusive Werbung, da muss sich aber selbst Jauch strecken. Ganz zu schweigen von Dr. Winterkorn. Für läppische 17 Mille im Jahr bewegt Ronaldo nicht mal seinen kleinen Zeh. Also der portugiesische Ronaldo. Nicht der dicke. Bei dem muss man das mit der Bewegung(sfreiheit) ja generell von einer andere Sichtweise betrachten. Aber lassen wir das.

Was mich dagegen verwundert in der Hitliste ist der zweite Platz von Beckham: 31, 5 Millionen. Für`s Unterhose-in-die-Kamera-halten?? Ja, was denn? Als Fußball kann man das da drüben ja wohl nicht bezeichnen. Klinsmann ist Nationaltrainer, Frings Leistungsträger und jetzt wird sogar der malade Arne Friedrich wieder reaktiviert. Für die USA scheint`s auch mit kaputtem Rücken noch zu reichen.


Wir müssen auf den Pokal zurückblicken: Das war schon richtig happig. Fürth bringt Torwart Jasmin und haut sich die Pille fünf Sekunden vor Schluss prompt selber rein. Bitter. Großkreutz, in Fachkreisen auch als Großkotz tituliert, konnte daraufhin seine Sympathiebekundungen für den ortsansässigen Gelsenkirchner Fußballclub erwartungsgemäß mal wieder nicht zügeln. Im Grunde muss er richtig froh sein, dass es nur weiße Blutkörperchen gibt und keine weiß-blauen. Sonst bestünde wohl minütlich akute Suizid-Gefahr.

Und dann Gladbach-Bayern. Seitdem kennen wir nicht nur den Endspielgegner der Borussen, sondern ahnen auch, dass ein südamerikanischer Lockenkopf dem weltgewandten deutschen Rekordnationalspieler nacheifern wird. Endlich! 12 Jahre nach dem tränenreichen Amerika-Abschied (wis ä liddl bitt lackie) vom passionierten Osteuropa-Experten (auf mehreren Gebieten) Lothar Herbert Matthäus ist sein legitimer Nachfolger im roten Bayern-Trikot gefunden: Dante Bonfim Costa Santos. Gut, der Name wird den meisten wahrscheinlich nicht ganz so fränkisch-dynamisch über die Lippen gehen wie der von loddamaddeus, aber sei`s drum. Man kann nicht alles haben.

Jedenfalls bringt Dante seit letztem Mittwoch alle Voraussetzungen mit: Genau wie Lothar anno 1984 verschoss auch er im Pokal für Gladbach im Elfmeterschießen gegen seinen zukünftigen Verein, wodurch dieser triumphiert. Wir sagen: Danke, Dante! Und können uns in den nächsten Jahren auf eine weitere Münchner Weltkarriere einstellen - bei diesem Vorbild allemal. Nur allen Sprachwissenschaftlern (und solchen, die es werden wollen) stehen harte Zeiten bevor. Redet auch der Brasilianer wie sein heimliches Idol dann nur noch in der dritten Person über sich und entwickelt darüber hinaus eine vergleichbar merkwürdige Logik, könnte es ulkig werden.

Etwa so: Bayern hat das erste Heimspiel der neuen Saison durch ein Eigentor des neuen Abwehrchefs Dante mit 0:1 gegen Aufsteiger SC Paderborn verloren. Doch ein absoluter Führungsspieler wie er stellt sich auch nach dieser Blamage der Presse:

 

Reporter (sachlich): „Herr Dante, das war heute ein Debakel für Sie und die Mannschaft. Was war da los beim entscheidenden Gegentreffer, als Ihr Rückpass ins eigene Tor ging?“


Dante (ganz der Lothar): „Durch einen Platzfehler, den die Löwen vergangenen Samstag hinterlassen haben, sind wir um ein Unentschieden gebracht worden.“ 


Reporter (nachbohrend): „Aber auch sonst war Paderborn doch klar überlegen.“


Dante (den linken Nasenflügel vom Rotz befreiend): „Das Chancenplus war ausgeglichen.“


Reporter (leicht vorwurfsvoll): „Es schien, als sei die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihren Teamkollegen noch verbesserungswürdig. Ihre Kommandos wirkten unkoordiniert und planlos.“


Dante (sich verteidigend): „Und wenn dein Reden auch stockfalsch und blödsinnig ist - Hauptsache, du tust wieder den Mund auf.“


Reporter (kritisch): „Beim Elfmeter, den Gomez dann wie üblich flach in die Mitte schob und der deshalb vom Torhüter mit dem Fuß gestoppt werden konnte, hatte es den Anschein, dass auch Sie schießen wollten. Täuschte der Eindruck?“


Dante (zerknirscht): „Gewollt hab ich schon gemocht, aber gedurft ham sie mich nicht gelassen.“


Reporter (interessiert): „Wie hat Gomez Ihnen erklärt, dass er schießen werde?“


Dante (die Schultern zuckend, den rechten Nasenflügel vom Rotz befreiend): „Ein Wort gab das andere - wir hatten uns nichts zu sagen.“


Reporter (analysierend): „Steckt der FC Bayern bereits in der Krise?“


Dante (kämpferisch): „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“


Reporter (besorgt): „Haben Sie sich bei der Aktion kurz vor Schluss schwerer verletzt?“


Dante (abwinkend): „Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drückt.“


Reporter (vorausblickend): „Befürchten Sie, nun länger auszufallen?“

 

Dante (entrüstet-trotzig): „Ein Dante lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Dante entscheidet selbst über sein Schicksal.“


Reporter (genervt): „Letzte Frage, Herr Dante. Warum benutzen Sie eigentlich permanent die dritte Person, um sich auszudrücken!? Ich dachte eigentlich, das hätten wir hinter uns.“


Dante (lässig): „Ein Dante braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht.“

 

Ach, ich freu mich schon.


März 2012