18 Mein 2014

 


Dezember 2014. SPOX, FUMS, Formel-Woche, der Blog und zuletzt ein Buch. Schriftstellerisch hatte das Jahr für mich einiges zu bieten. Auch dank Euch. 

 

Seit Anfang 2012 treibt dieser Blog inzwischen sein Unwesen in den Tiefen des Neulands, das manche als Internet kennen und der Rest als Datenschleuder. Immer (also zweimal) gab es zum Jahresausstand einen Text ohne Schablone, ein Präsent. 2012 wurde Mario Gomez in Versform gemeißelt, 2013 entstand zusammen mit Florian Hellmuth eine fiktive Weihnachtsgeschichte aus dem Hause Sky

 

Diesmal muss der special effect ausfallen, die Speicher sind leer, die Kapazität voll. Es war ein anstrengendes Jahr. Auch ein prägendes. Und sicherlich waren es einschneidende zwölf Monate. Dieser Blog lief stets nebenher, mal mehr, mal weniger hörbar, mal mehr, mal weniger quengelnd. Das Schöne an meinem schreibenden 2014 aber waren die Möglichkeiten der Diversifikation und Differenzierung; langweilig wurde es nie. Die Spannweite reichte von Wochenrückblicken und der WM-Kolumne auf FUMS über ein Praktikum bei SPOX bis zu losen Textbeiträgen und Hangouts für Formel-Woche. Wenn die Fingerkuppen akuten Juckreiz auslösten, versuchte ich zudem, den Blog mit Stoff zu füllen. Es ist schon erstaunlich, welch unterschiedliche Ausprägungen die Aneinanderreihung von Buchstaben annehmen können. Ein Alphabet, unendliche Weiten... 

 

Blättern wir zurück. 
















Das Sportjahr begann nicht am Ersten im Ersten, sondern am 29. Dezember 2013. Der fatale Ski-Unfall von Michael Schumacher erschien den meisten Leitmedien gesellschaftsfähig genug, um ihn tage-, ja wochenlang als Aufmacher zu fahren. Dass die Grenzen des guten Geschmacks, der Privatsphäre sowieso, dabei nicht selten überschritten wurden, war so bedauernswert wie absehbar. Auch ich kam nicht umher, mich dem Thema anzunähern. Und obwohl ich den Blog im ureigenen Sinne - also Meinungsäußerung in Ich-Form - nicht allzu oft bediene, wählte ich ebenjene Variante. Meine Fan-Verbundenheit hätte keine distanzierte Aufarbeitung im Agenturstil zugelassen. 

 

Im Frühjahr war Interview-Zeit. Ich kenne den Grund nicht, aber plötzlich reihte sich ein Gespräch ans nächste. Weil sich diese Seiten der humoristischen Darstellung zugeneigt fühlen, musste Twitter-Parodist Fritze von TuT mit einem gepfefferten Arsenal an Fragen rechnen. Freilich vermochte er, sich blaublütig-gediegen aus dem Donnerhagel zu linguieren 

 

Fritze reichte das virtuelle Aufnahmegerät sogleich intern weiter. Rollo Fuhrmann (keine Parodie, keine Pointe) versäumte es nicht, auf die Üppigkeit des Fragenkatalogs zu verweisen - und zwar mit Recht. Kaum aber grämte ich mich aufgrund einer formidablen Fehlleistung, flatterte die Rollo-Mail ins Postfach. Mit vielen Fragen und ebenso vielen Antworten. #hallohallo

 

Von Januar bis März dichtete ich jeden Sonntagabend an einem möglichst Mundwinkel-stimulierendem Wochenrückblick - für FUMS, das damals frisch aus der Taufe gehoben wurde, und das mir seit dessen Geburtsstunde ein Forum fürs Austoben offeriert. Besonderer Dank an FUMS-Vater Cord Sauer.
















Im April begann meine tägliche Vier-Stunden-Pendelei zwischen Wohn- und Arbeitsort. Für einen, der gerade von der Uni kommt (und dort keine Pflichtveranstaltungen zu wälzen hatte), war der straffe Zeitplan freilich ein Kulturschock. Und dann die Spätschichten. Und dann die fehlenden Spätzüge. Und dann abenteuerliche Schlafgemächer, etwa die SPOX‘sche Couch. Es waren Monate, die meinen Biorhythmus verschoben. In die Länge.

Parallel probierte ich, die mySPOX-Themenwoche „Spielmacher“ mit dem einen oder anderen Beitrag zu unterstützen. Als User RoyRudolphusAnton widmete ich mich der magischen Nummer 10 und portraitierte Dennis Bergkamp in ausführlicher Montur. 

  

Bevor sich die Weltgemeinde dem Turnier am Zuckerhut zuwandte, erzählte mir Jens Huiber von Sportradio360, was es mit seiner kleinen, sympathischen Familienshow eigentlich auf sich hat. Wie bei Fritze und Rollo gilt: Vielen Dank, besonders für die Kreativität!

 

Weil sich der Todestag des legendären Rennfahrers Ayrton Senna zum 20. Mal jährte, zimmerte ich einen dazugehörigen Text. Ohne arrogant sein zu wollen, suggerieren die Kommentare, dass die Tonalität offenbar gut getroffen wurde: „Weltklasse geschrieben“ - „Einer der besten, wenn nicht sogar der beste Artikel, den ich auf Spox bislang lesen durfte.“ - „Das Emotionalste, was ich hier jemals gelesen hab, mir ist zwischendurch der Atem gestockt... grandios recherchiert und mitreißend geschrieben!“ 

Bitte nicht falsch verstehen: Der traurige Anlass steht selbstredend für sich, und es wäre so viel besser, wenn es diesen Artikel nicht geben dürfte. Aber natürlich freut einen die Resonanz. 

  

Die WM hielt alle in Atem, auch mich. Sei es, die 18-Uhr-Spiele auf Bahngleisen zu verbringen oder bei den 22-Uhr-Spielen kontinuierlich dem Schlafdefizit Tribut zu zollen. Für den Tagesticker reichte es noch. Aber nur bis 16:30 Uhr. 

  

Sieben. Zu. Eins. Muss man mehr sagen? Man muss. Jedoch nicht heute, sondern in 50 Jahren, wenn Opa und Enkel die fußballerischen Eigenarten aus der Steinzeit erörtern. Also von 2014. Für FUMS wagte sich der geplagte Praktikant an die Wochenkolumne „W-Ähm“, unter anderem mit der innerfamiliären Retrospektive. Stand 2064.

 

Bevor Tom Bartels eine als Wunsch getarnte Aufforderung über den TV-Äther schickte („Mach ihn!!!“), musste der Blick abermals gedreht werden. Deutschland stand vor dem finalen Schritt auf den Thron, vor allem aber am Ende einer 24-jährigen Reise. Als mySPOX-User gab ich mich dieser hin. Und erntete Beifall.
















Der Höhepunkt meines Blog-Jahres ist auf August datiert. Zusammen mit Anno Haak werkelten wir an einer Mammut-Hommage auf Bastian Schweinsteiger. Die Würdigung im Doppelpassspiel ist übrigens auch in unserem Buch zu finden (und war ein Initiator, das Projekt überhaupt zu starten). 

  

Während die SPOX-Redaktion im Herbst zeigte, nicht auf die Mithilfe meiner Wenigkeit angewiesen zu sein, kehrte ich mit einem Jens-Keller-Beistands-Text in den Körper des Bloggers zurück. Da sich die letzten Sätze etwas mit dem Wissen von heute beißen, haperte es am orakelnden Geschick. 


Dank Florian Hellmuth wurde ich an verblüfften Türstehern auf eine Sky-Party geschleust (nagut, eigentlich waren es adrette Garderobe-Damen). Und überhaupt war Florian stets zur Stelle, wenn es Rat und Tat brauchte. Danke!

  

Die zweite mySPOX-Themenwoche handelte von „Stillen Helden“. Mein Faible für die Formel 1 ließ mich die kaum beachteten, aber schwer schuftenden Mechaniker rühmen.

 

Apropos Formel 1: Ab Oktober wurde ein Versuch zur Gewohnheit. Einmal im Monat diskutierte das Team von Formel-Woche mit weiteren Motorsport-Begeisterten (darunter Florian) in einem Hangout über aktuelle Themen. Hier möchte ich Michael Zeitler und Daniel Geradtz hervorheben. Wer sich gerne beteiligen will - einfach melden!

 

Im November beschränkte sich mein getipptes Mitteilungsbedürfnis auf das Existenzminimum. Das Buch - Idee, Konzept und Umsetzung mit Patrick Völkner und Anno Haak - wuchs rasant in die Höhe, wie ein Wolkenkratzer, und es streifte schneller den Himmel als wir dachten. Zwei Monate Arbeit, einige Hürden, viele Mails. Anfang Dezember war es vollbracht. „Was für Typen!“ erzählt über den FC Bayern München, aber gewiss nicht das, was eh ein jeder weiß...
















Noch immer steckt dieser Blog in einem Korsett, das weder Kommentare noch Social-Media-Einbindung erlaubt, also halbwegs plump wirkt. Wenigstens statisch. Aber aus irgendwelchen Gründen werden die Einträge beständig gelesen; auf Twitter steigen die Follower-Zahlen gar an. Dafür ein herzliches Dankeschön, nicht nur an die namentlichen Erwähnten. Es ist die ganze Masse, die Freude macht - und Motivation, ab und an ein paar Zeilen niederzuschreiben. 

 

Ich wünsche Euch ein schönes Fest, ruhige Tage und alles Gute für 2015. Ich hoffe, wir lesen uns - ab Januar erst einmal bei Eurosport.