34 Märchenstunde


- Dezember 2013 - 


Tototipps, 15. Spieltag. Die vollkommen seriöse Vor - bzw. Nachbetrachtung des kommenden Bundesliga-Wochenendes...

 

Advent, Advent, das Licht im Keller brennt. Außer in Nürnberg, da ist es so stockduster wie das Mienenspiel des Chefs. Derweil schwingt sich Erzengel Gabriel in Hannover zum Retter des guten Geschmacks auf, während im Fohlenstall ein paar Junge geboren werden - mit Schalk(e) im Nacken. Bayern labt sich an neuen Disziplinen wie dem Maul-Wurf, Dortmund tritt für geschlechtliche Gleichstellung ein, Wolfsburg hadert mit dem abgestandenen Zielwasser seiner Heckingschützen. Und Mama Lasogga kocht Suppe.  

 

Nürnberg - Mainz

Der 1. FC Nürnberg hätte sich einen anderen Ausgang der Koalitionsverhandlungen gewünscht. Da der Club letztmals zu D-Mark-Zeiten ein Fußballspiel gewann, wäre die Abschaffung des Euro und die Rückkehr zum vorherigen Zahlungsmittel ein Wink mit dem ganzen Zaun gewesen. So aber hat sich der wenig Elan versprühende Gesichtsausdruck von Trainer Verbeek den Darbietungen seiner Mannschaft adaptiert. Fröhliche Weihnachten? Nicht in Nürnberg - trotz des prächtigsten Christkindlmarktes im Umkreis. Auch die Mainzer Visite wird sich nicht den Mund an der legendären Rostbratwurst verbrennen, dafür bürgt Keeper Karius, der Nürnbergs Patienten den Zahn zieht. Gelernt ist gelernt.    

Tototipp: 2

 

Mönchengladbach - Schalke

Sieben Heimspiele, sieben Heimsiege. Die Fohlen galoppieren wieder erhaben durch die eigene Koppel, wobei es beim knappen Erfolg über Freiburg erstmals eng wurde. Wie praktisch, dass nun Schalke wartet. Und das obendrein zu Hause. Da kann faktisch nichts passieren, glaubt der Schweizer Pferdeflüsterer und gewährt seinen edelsten Stücken gemütlichen Frei - und Müßiggang. Wann, wenn nicht jetzt? Zumal sich Schalke vor dem anstehenden Basel-Knockout in gewohnte Champions-League-Verfassung trimmen muss. Auf der Trabrennbahn der Fohlen werden sich die ortsunkundigen Gäste heillos farfan. 

Tototipp: 1

 

Stuttgart - Hannover

Hannovers Sieg gegen Frankfurt lockerte die Schlinge um des Trainers Gurgel ein wenig. Bislang entpuppte sich 96 jedoch als Reisemuffel, was sowohl Punktekonto als auch Arbeitsatmosphäre beeinträchtigte. Um insbesondere Letzteres zu erhellen, hatte Slomka nun eine prima Idee. Kurzfristig konnte Gabriel Batistuta für Hannovers Sturm - und Drangabteilung verpflichtet werden. Das ausgefeilte Kalkül: Slomka und Gabriel funken auf einer Wellenlänge. Prompt postulierte der spektakuläre Neuzugang in akzentfreiem Deutsch: „Lassen sie uns diesen Quatsch beenden!“ Er meinte die Auswärtsmisere. Nun fürchtet Stuttgarts Coach, dass Hannover aus dem Schneider ist, man selbst aber nicht. Ein echtes Orakel.  

Tototipp: 2

 

Bremen - München

Vor fast exakt zehn Jahren, am 6. Dezember 2003, trafen Werder und Bayern ebenfalls am 15. Spieltag aufeinander. Nach einem Foul von Lizarazu an Klasnic verwandelte Ailton einen Strafstoß gegen Oliver Kahn, ehe Pizarro auf Sagnol-Flanke (und aus Abseitsposition) zum Remis traf. Klingt wie ein Streifzug durch eine ferne Galaxie, ist es im Grunde auch, bis auf Pizarro natürlich. Im damaligen Rückspiel siegte Bremen dann mit 3:1, was den vorzeitigen Meisterschaftsgewinn bedeutete - und für die Münchner den Beginn ihrer Unbesiegbarkeit in der Bundesliga, im Groben zumindest. Weil die Bayern-Rotkäppchen (also die mit den „big breasts“) Mär und Märchen vom bösen Tormann Wolf widerlegen, übersteht diese Serie auch das Spiel an der Weser. Merke: Wo Dort Mund auftaucht, ist der Maul-Wurf schon gelandet.

Tototipp: 2

  

Hamburg - Augsburg 

Im hohen Norden reiben sie sich die Hände. Nicht ob der klirrenden Kälte, sondern als Ausdruck tiefster Wunschbedürfnisse, dass Mama Lasogga einen guten Tag erwischt hat. Ergebnis: Negativ. Torausbeute: Dito. Zwar schlägt HSV-Hakan gewitztere Freistöße als Cristiano Ronaldo, wird aber nicht zum Weltfußballer und nicht einmal zum „Man of the Match“ gegen Augsburg gewählt. Wenigstens löst Hamburgs Vorzeige-Nationalspieler sein eigenes Gleichungssystem, das da lautet: Wester Mann = Bester Mann. Für einen Heimsieg reicht es dennoch nicht. Und womit? Mit Recht. Die bayerischen Schwaben zählen zu den heimlichen Sensationen der Liga, besser als die schwäbischen Schwaben sind sie sowieso. Es ist erstaunlich und erfreulich zugleich, wie es der Truppe gelingt, ohne explizite fußballerische Kompetenz vor Stuttgart, Bremen, Hamburg zu rangieren. Findet auch Mama Lasogga und kocht den Augsburgern ihr eigenes Süppchen. 

Tototipp: 0

  

Frankfurt - Hoffenheim

Um endlich einen Elfmeter zugesprochen zu bekommen, andimöllert Armin Veh theatralisch, Opfer eines abgefeuerten Schusses geworden zu sein. Die mangelnde Zielgenauigkeit seiner Elf lässt die Oscar-reife Einlage umso authentischer wirken. Ansonsten verführt die spezielle Ausgangslage beide Klubs zu einem tollkühnen Pakt. Wegen Eintrachts chronischer Probleme, die 86. Minute heil zu überstehen, und Hoffenheims genereller Nachspielzeitphobie, einigt man sich im Vorfeld darauf, bereits fünf Minuten vor Schluss abzupfeifen. Was freilich rein gar nichts nützt. Frankfurt kassiert in der 81. Minute zunächst den Ausgleichstreffer, dann legt sich TSG-Torwart Casteels in letzter Sekunde das 3:4 ins Netz. Auf der Tribüne schmiert sich Tim Wiese lässig Motoröl ins Haar. Er weiß: Das Aggregat stottert. 

Tototipp: 1

 

Dortmund - Leverkusen

Da beim BVB die volle Konzentration auf dem Pokalfight in Saarbrücken lag, schonte Trainer Klopp weder sich noch Sven Bender noch Nobby Dickel. Dessen unmotivierte Reaktion: „Ach du Scheiße.“ Aufgrund des personellen Notstandes intervenierte der Verein aber daraufhin in der Politik, um eine geschlechtliche Gleichstellung einzuklagen. So könnte das ausgezehrte Mittelfeld gegen Leverkusen provisorisch durch Susi Zorc verstärkt werden. Bayer wiederum bewies beim Erfolg über Nürnberg, dass der Klub doch ein internationales Schwergewicht ist. Einer neuerlichen ironischen Image-Kampagne folgend, sicherten sie sich anschließend die Patentrechte an „Bayer 05“ - unverzüglich machte Rudi Völlers Gesundheitszustand (gute Besserung von dieser Stelle!) einen abrupten Sprung in Richtung Genesung. Bei Dortmund indes hoffen sie, dass Leverkusen ohne „die 19“ antritt.  

Tototipp: 1

  

Freiburg - Wolfsburg

Idylle gegen Konzernmief, Beschaulichkeit gegen Werksarbeit, Wohlfühloase gegen Staccato-Betrieb. Soweit die gängigen Vorurteile. Freiburg versus Wolfsburg, das ist auf dem Papier keine Partie, die uns neutrale Beobachter mit Fieberschüben und Hitzewallungen aus den Sesseln reißt. Zumal Hitz inzwischen in Augsburg spielt. Aber Achtung: Letzte Saison fegte ein VfL-Tornado den Sportclub mit 5:2 vom Platz. Derartige Unterhaltung wird am Samstag garantiert... nicht nochmals geboten. Freiburg kuschelt sich weiter in der Abstiegszone fest, die Wölfe heulen auf, weil sie ein Punkt beim Unternehmen „Champions-League-Sieg 2015“ nicht direkt weiterbringt. Und der Manager zürnt: Lauter Ausfälle! All Offs. 

Tototipp: 0

 

Braunschweig - Berlin 

Das Duell der Aufsteiger wird zum Widerspruch der Philosophien. Während Eintracht Braunschweig die schrittweise Einführung des flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns bis zum Jahr 2017 begrüßt, hat Berlin bis dahin (und weit darüber hinaus) ein Mammutprojekt an der Backe. Bekanntlich soll es, und das ist ruhig wörtlich zu nehmen, hoch hinaus gehen in der Hauptstadt. Erstmal fliegt das Team immerhin bis zur Hamburger Straße und ihr Übungsleiter im Winterstress nicht hochkant raus. Ein Anfang. Oder sogar zwei. Weil sich die olle Hertha spielerisch immer schwer tut, wenn sie nicht gerade bei Bayern antritt, und die tapferen Löwen ihr Limit ohnehin längst kennen, darf sich der gemeine Fußball-Fan auf deftige Hausmannskost am Sonntagabend einstellen. Mit Braunschweig und Berlin, Bier und Bratwurst, Boland und Ben-Hatira. Bundesliga besinnlich. 

Tototipp: 0