28 Romney, das Wolfsburg Amerikas


(Anmerkung in eigener Sache: Das wie üblich zu beachtende Augenzwinkern bitte diesmal in verstärkter Ausführung anwenden. Aber ich konnte nicht widerstehen.)


Dear Bundesrepublik, liebe Gemeinde, 


selbst die hardcor-sten Fußball-Anhänger dürften wohl einräumen, dass sich in den vergangenen Tagen weltbewegendere Vorkommnisse zugetragen haben als der 3:1-Auswärtssieg von Galatasaray Istanbul beim CFR 1907 Cluj. Barack Obama, also ich, bleibt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Und womit? Mitt Recht...


Nein, ich freue mich. To be very honest war ich geradezu erleichtert, als ich nun auf die zweite vierjährige Etappe geschickt wurde. Aus diesem feierlichen Grund möchte ich mich bei meinen deutschen Freunden bedanken. Passenderweise erscheinen diese Worte auf einer Internetpräsenz namens Mitt-ermeiers Sportblog. In unendlicher Großzügigkeit überließ mir der turnusmäßige Autor, im Übrigen ein äußerst begabter Wortakrobat, das Hoheitsgebiet seiner Seite, um das Resultat dieses historischen 6. Novembers 2012 angemessen zu würdigen. Doch genau genommen hat das Jupp Heynckes bereits getan. Das geschah nämlich so: Zuerst hatte ich mich triumphal den Angriffen Romneys erwehrt. Anfänglich in die Defensive gedrängt, wehrte ich alle Attacken, alle Spitzen und auch alle Flügelläufe meines republikanischen Herausforderers ab. Bravourös, ich muss mich selbst loben. Well done. Mir Ehre erweisend, besetzte Bayern-Coach Heynckes anderntags seine Abwehrkette so dunkelhäutig wie nur möglich. Ein Charmeur, der Jupp, wahrhaftig. Drei von vier Spielern trugen meine Hautfarbe, aber schwarz sah allein Lille. 1:6! Da kam mir sogar Romney näher in der Abstimmung. Und das will schon was heißen.

 

Dieser seltsame Soccer ist zwar nicht so wirklich mein Ding, allerdings wurde ich gebeten, wenn möglich hier und da ein paar aktuelle Themen in diese Rede einzustreuen. Deshalb übertragen wir meine Wiederwahl auf diese Sportart, die überall auf der Erde beliebter zu sein scheint als bei uns in Amerika. Wahrscheinlich liegt das an Jürgen Klinsmann. Anyway. Jedenfalls hat sich politisch nicht groß etwas getan in den USA. Während ich weiterhin in der Champions League mitmische, kämpft Romney nach wie vor um den Anschluss an die internationalen Plätze, und wenn er nicht aufpasst, rutscht er die Karrierelauter ruckzuck wieder hinunter. Die Lücke, die beim gescheiterten Präsidentschaftsanwärter zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft, lässt sich ziemlich flächendeckend mit derjenigen des VfL Wolfsburg in Relation setzen: Ungefähr so tief wie unser Haushaltsloch. Gemeinsamkeiten zwischen Romney und Wolfsburg ergeben sich auch in Bezug auf Ausstattung und Außendarstellung: Steinreich, aber unerwünscht. Und obendrein erlebte Romney jetzt seinen ganz persönlichen Skyfall.

 

Kein Zufall. Denn auch beim German Giant FC Bayern Munich stimmten sie für mich. Der mit Abstand östlichste aller US-Bundesstaaten, das weitläufig bekannte Alaba(ma), unterstrich seine exponierte Stellung: Klein, aber Oh(i)o. Als dies geschafft war, konnte nichts mehr schiefgehen. Der Rest war Routine, Händeschütteln und ein fröhliches Mitt-einander.

 

Vier Spieltage liegen hinter uns in der UEFA Champions League, und die Bundesliga steuert unaufhaltsam darauf zu, die Spitze zu erklimmen in den Rankings, so stark präsentiert sie sich. Also ein Gegenentwurf zu Romney. Aber klar, Wolfsburg nimmt ja nicht teil. So wird ein Schuh draus. Etwas irritierend, um nicht zu sagen störend, ist nur, dass die bisher einzige deutsche Niederlage auf das Konto Bayerns geht. Weder unterlag Dortmund Real Madrid in zwei Matches, noch verlor Gelsenkirchen gegen Arsenal London. Bloß Munich kam damals in Weißrussland ins Straucheln. Das fand ich eher so mittel. Nein, wartet: Mitt-el. Ah, I‘m lovin‘ it!


So, jetzt muss ich Schluss machen. Die Pflicht ruft. Wirtschaftspolitik, Gesellschaftspolitik, Gesundheitsreform. Es gibt viel zu tun. Packen wir‘s an.

 

Yours sincerely,

Euer Barack


PS: I prefer Mister President.


PPS: Skyfall hat was. Man könnte nur die Hauptrolle besser besetzen. Ich wüsste da sogar einen geeigneten Kandidaten. Aber vielleicht beim nächsten Mal. Zeit hat er ja...


November 2012