26 FC Bayern endlich wieder unsympathisch!


- August 2013 - 


                                  "Satire ist Humor, der die Geduld verloren hat"

Kurt Tucholsky (Deutscher Schriftsteller, 1890-1935)

 

München (sick) - Triple-Sieger FC Bayern München hat nach Champions League, Meisterschaft und DFB-Pokal einen weiteren historischen Triumph eingefahren: In Scharen wenden sich gerade erst gewonnene Unterstützer vom Verein ab. 

 

„Endlich gehen die Sympathiewerte wieder in den Keller“, atmet Sportvorstand Matthias Sammer auf. „Wir haben lange genug auf einer rosaroten Wolke gelebt und wurden von allen Seiten betätschelt, gelobt und bewundert. Unsere Schultern hingen schon fast am Boden vor lauter Leuten, die draufgeklopft haben. Das liegt zum Glück hinter uns.“ Karl-Heinz Rummenigge pflichtete seinem Vorstandskollegen bei: „Wir müssen schleunigst zusehen, nicht weiter Everybody‘s Darling zu sein. Das ist nicht Bayern-like. Das Spiel in Frankfurt war ein guter Anfang, aber jetzt gilt es, unverzüglich nachzulegen.“ Präsident Uli Hoeneß war zu keiner Stellungnahme bereit. Er ließ sich durch seinen Anwalt entschuldigen. 

 

In der abgelaufenen Spielzeit 2012/2013 hatte der FC Bayern unter Trainer Jupp Henyckes nicht nur drei Titel gewonnen und damit geschafft, was noch keiner deutschen Mannschaft vergönnt war. Aufgrund der attraktiven Spielweise konnten zudem landesweite Rekorde hinsichtlich der Beliebtheit des oft misstrauisch beäugten Branchenprimus registriert werden. „Da sprechen wir von teilweise unhaltbaren Zuständen“, schüttelt Sammer heute den Kopf. „Ob Sie es glauben oder nicht: Selbst aus dem Nahen Osten erreichten uns Glückwunschschreiben. Doch wir haben sämtliche Telegramme aus Dresden und Leipzig unbeantwortet gelassen. Irgendwo muss auch mal Schluss sein.“

 

Der inzwischen emeritierte Heynckes (68) hatte dem FC Bayern mit seiner ausgewogenen Art der Menschenführung eine Fabelsaison beschert. Auf und abseits des Rasens griff ein Rädchen ins andere, persönliche Interessen konnten hintenangestellt werden. Mit einer zurückhaltenden Kommunikationspolitik gewann der Klub Millionen an neuen Fans hinzu. Ebenso erkannten viele Anhänger anderer Vereine (Borussia Dortmund, 1860 München) die herausragenden sportlichen Leistungen des ehemaligen Feindbilds neidlos an. Eine Welle der Sympathie war die Folge. „Überall kamen die Leute an und sagten, wie toll wir doch wären. Das grenzte schon an hysterische Wertschätzung und war eine extreme Belastung für uns“, nennt Sammer nun erstmals öffentlich die Crux des Erfolgs. 

 

Seit der spanische Star-Trainer Josep „Pep“ Guardiola das Sagen hat, weht an der Säbener Straße ein anderer Wind. Anstatt überlegener und ästhetischer Siege sind die Bayern zunehmend auf Fortuna und die Unparteiischen angewiesen - ganz wie zu besten Zeiten. Sowohl beim Saisonauftakt gegen Borussia Mönchengladbach (3:1) als auch in Frankfurt profitierten sie massiv von indiskutablen Schiedsrichterleistungen. Die strikte Weigerung, Champions-League-Gelder an bedürftige Bundesligaklubs weiterzugeben, wie von Frankfurt-Vorstandsboss Heribert Bruchhagen gefordert, verstärkt den Trend zur Antipathie weiter.           

 

Erkenntnisse, die man in München gerne hört. „Unsere rastlosen Bemühungen tragen Früchte. Fortan können wir uns wieder darauf konzentrieren, was den FC Bayern über Jahre ausgemacht hat - nämlich ergebnisorientiertes Spiel, Glück mit Fehlentscheidungen der Schiedsrichter und demnächst hoffentlich späteren Toren“, mahnt Karl-Heinz Rummenigge zur Rückbesinnung auf verloren gegangene Tugenden. Schon am Wochenende gegen den 1. FC Nürnberg (Samstag, 15:30 Uhr) wolle man mit dem Siegtreffer bis zur absoluten Schlussphase warten. „Am Besten wäre es, wenn dabei außerdem eine Abseitsstellung vorliegt“ erklärt Matthias Sammer. „So eine Konstellation hilft enorm, um wieder dorthin zu kommen, wo wir einmal waren.“