24 Grad-Wanderung


- August 2013 -

 

Im Juni und Juli verlangsamte sich der Puls, Gedanken kreisten zwanglos umher, und die Gesichtszüge wurden weich.

 

Die Wochenenden waren frei, man selbst war frei, ungebunden, nicht beschränkt in seinen Mitteln, seinen Methoden, seinen Möglichkeiten. Man konnte dieses treiben und jenes, man konnte - sofern Bayern-Fan - vergnügt im Triple-Schaum baden, mit der Ente Jupp plantschen, oder man konnte - sofern nicht Bayern-Fan - eine eiskalte Dusche nehmen, damit der Angstschweiß abgewaschen wird, der als Symptom der Furcht vor der Münchner Übermacht ausgesondert wurde.


Zur Not sah man den Kickern ab und an bei ihren Strapazen zu, die sie sich aufbürdeten, in heruntergekommenen Baracken, irgendwo am anderen Ende der Welt, damit sie am Stichtag herausgeputzt sind. Aber dieses Datum lag so weit in der Ferne, dass die Dauerbeschallung Fußball endlich, endlich einmal um ein paar Dezibel gemindert wurde. Angenehm für‘s Ohr, meditativ für die Gesinnung. Jeder hatte nach einer Pause gelechzt. Wirklich jeder.  

 

Zumal das Ferienprogramm so attraktiv war. Man bildete sich fort, erweiterte sein Allgemeinwissen um exotische Begriffe wie Drohne, Prism und Snowden, überlegte gemeinsam mit Großbritannien einen geeigneten Vornamen (gerne auch zwei. Oder drei), applaudierte den wahren Helden des Sports, etwa jenen mit übermenschlichen Leistungen bei der Tour de France, mutierte für ein Wochenende zum Tennis-Erfolgsfan, fieberte, breakte und weinte mit Sabine Lisicki, zählte die (Gummi-)Fetzen, die in der Formel 1 flogen, und wurde ganz nebenbei Europameister. 

 

Nein, wie war das schön. 

 

Und jetzt soll alles vorbei sein. August, der Märtyrer. Zurück in den Trott, lustloses Naschen des immer gleichen Einheitsbreis. Neun Spiele, eins am Freitag, fünf am Samstag, das Top-Spiel am Abend - oder wie Pep sagen wird: Top-Top-Spiel -, zwei am Tag des Herrn, der ursprünglich mal für die Ruhe bestimmt war. Ab sofort lärmen wieder aufgeputschte Menschen herum, mit Bierbäuchen, ohne Grund, und wenn sie das nicht tun, hüllen sie sich bei 30 Grad Celsius in Schals und schwenken Fahnen, die (noch) größer sind als ihre eigene. So hatte sich der liebe Gott die Welt damals nicht vorgestellt. Bestimmt nicht. 

 

Im September beginnen die internationalen Wettbewerbe, das impliziert mehr Spiele, mehr Interviews, Berichterstattung bis zum Erbrechen, der Ball rollt, das Mundwerk trollt. Nachrichten, Meldungen, Berichte, bald kommt der nächste Spieltag, neun Partien, Schals bei 15 Grad Celsius. Viel Fahne. 

 

Gegen Jahresende toben die Schneeflocken, gewinnen die Bayern, untertreiben die Dortmunder. Die Bälle werden orange, Wolfsburg korrigiert seine Saisonziele nach unten, Bremen wechselt zum zweiten Mal den Trainer. Fans kuscheln sich bei minus 10 Grad in Schals. 

 

Vielleicht. 

 

Macht am Ende doch alles Sinn.

 

Fußball.

 

Bundesliga. 

 

Du geiles Biest.