13 War was?


- April 2013 -

 

Pocher bei Jauch, Götze bei Bayern (oder auch nicht), Lewandowski bei Dotmund (oder auch nicht), BILD beim Wurstfabrikant, der Wurstfabrikant auf allen Kanälen... Ächz.


Die Großen fressen die Kleinen. In der Biologie, im Fußball. Wieder ist ein Profiklub Opfer des Machtstrebens eines wesentlich potenteren Rivalen geworden. Ein Klub, der den neutralen Beobachter mit erfrischenden Darbietungen verzückt hat und damit bis ins Halbfinale gestürmt ist. Dort traf er auf einen Gegner in ehrfürchtig weißen Trikots. 

 

Jetzt steht das Erfolgsmodell vor dem bröselnden Zerfall. Es hat sich zum Usus entwickelt, dass dem Verein die Korsettstangen des Höhenritts herausgerissen werden, rücksichtslos, rabiat. Bisher geriet das Gebilde nicht ins Wanken, weil das Management eiligst zwei, drei weitere pubertäre Jünglinge erspähte, und weil der charismatische Vollblut-Trainer seiner Teenager-Truppe stets einen mysteriösen Geist einzuimpfen vermochte. Dieser führte den Verein in ungeahnte Größendimensionen, die so weit reichten, dass championsleauge-eske Träumereien keimten, lange versteckt und behutsam, inzwischen in ausgereifter Pracht. Doch die Überflieger wecken Begierden, eine altbekannte Misere. Am vergangenen Dienstag platzte die Blase, und die gestaute Wucht prallte auf das Publikum wie der Inhalt eines eitrigen Pickels auf den Badezimmerspiegel, als verkündet wurde: 

 

Daniel Caligiuri verlässt den SC Freiburg. Der 25-jährige Mittelfeldspieler schließt sich dem VfL Wolfsburg an. 

 

Es war ein Beben zur Unzeit, ein Wachrüttler im Schlafgesuch. Aber es war auch die Rettung einer Woche, die so zäh wie kaum eine andere in diesem Kalenderjahr am Horizont flackerte. Hätte nicht der Transfer-Wahnsinn eine ganze Republik in seinen Bann gezogen, ihr siebentägiges Vorkommen wäre in der Geschichte unserer Existenz völlig untergegangen. Denn davor und danach sah sich selbst BILD in einem luftleeren Raum gefangen. Deutschlands publizierendes Flaggschiff musste sich zerfetzte Lumpen zusammenschustern, um überhaupt etwas berichten zu können. Die Not nahm solche Ausmaße an, dass stellenweise Gerüchte gestreut und Spekulationen verbreitet werden mussten. Das geschieht bei der BILD sonst nie.

 

So wurden einem mittelständischem Wurstfabrikanten glatt Verstrickungen ins Zocker-Milieu angedichtet. Für eine gesteigerte Auflage intervenierten sie außerdem bei Jauch, damit dieser in seinem Talk mit verbundenen Augen und schwarzgetönten Scheiben die FAKTENlage analysiert. Das Land dankte es freudig, und Oliver Pocher glänzte in der redseligen Runde mit bemerkenswerter Expertise. Fabel-haft! 

 

Als die Würste irgendwann madig wurden, servierte Springer der SPD einen gratis Wahlkampfteller. Vorgekaut, logisch, gewürzt mit Unterstellungen und Verleumdungen. Doch auch Leibspeisen sind rasch verzehrt, deshalb kramte man in der Süßwarenabteilung. Gesellschaftsgebäck mit Zuckerguss: Hat die Jenny dem Goetz eine mit dem Kerzenständer übergebraten? Klingt verdächtig nach RTL-Nachmittagsprogramm, war aber nur Lückenfüller im flauen Weltgeschehen. Die Einöde grabschte mit beiden Händen nach Gesprächsstoff. Uh, heikle Formulierung: Grabschte mit beiden Händen. #aufschrei

 

Dort Mund? Hier Archie!

 

Und dann hob das liebste Kind zaghaft seinen Arm. Der Sport war vernachlässigt worden in den sich überschlagenden Blätterwäldern und Jauch(e)gruben. Aber bevor der dumpfe Paukenschlag in der Bundesliga erfolgte, nämlich der Wechsel von Freiburg-Sportdirektor Dirk Dufner zu Hannover 96, meinte es der bild-ende Verlag erneut gut mit uns minderbemittelten Rezipienten. Allen, denen das angesprochene RTL-Nachmittagsprogramm - aus unerfindlichen Gründen - entgangen war, wurden im Handumdrehen die Wissenslücken gestopft. Das Blatt nahm die Denkerpose ein, kratzte sich am Kinn und überlegte: Vielleicht ist Nazan Eckes schwanger.

 

Vielleicht auch nicht.

 

Der Stern journalistischer Investigativität leuchtete nun mit maximaler Kraft, so stark sogar, dass man die Augen zusammenkneifen musste, um nicht vom Strahl verglüht zu werden. Als danach, endlich, Fußball gespielt werden sollte, wurde wieder der leidlich bekannte Würstlhersteller durch den Fleischwolf gepresst. Es war zum Verzweifeln. Das identitätsstiftende Fußballspiel verkam zum Randgebiet, das abgelegen und unbeachtet in irgendeiner westfälischen Einöde verkümmert. Jenny und Goetz statt Bayern und Götze. Dort Mund? Hier Archie!

 

Immerhin, und das ist festzuhalten, immerhin erkannten die spanischen Gäste, in welch bemitleidenswerter Bredouille der gemeine Germane verkehrte. Da wollten sie nicht herrschsüchtig sein und ihren zugelosten Partnern einen kleinen, feinen Hoffnungsschimmer überlassen. Die beiden erfreulich besuchten Spieleabende am Dienstag und Mittwoch fungierten als Wundenlecker für die geschädigte Gesellschaft. Beim „Mensch ärgere dich nicht“ war der Pep aus New York noch hin - und hergerissen, auch der Thomas aus Oberbayern schummelte ein bisschen, als sein holländischer Kompagnon Arjen die Figur nach Hause brachte. Am Ende jedoch einigten sich alle Beteiligten schiedlich friedlich auf die Marschroute: „Vier gewinnt“. Hatte der Robert aus Warschau vorgeschlagen. So pflegt man internationale Beziehungen. 

 

Nächste Woche, heißt es, soll ein weiteres Treffen stattfinden, dann in Spanien. Und weil es langweilig ist, wenn die Teams immer aus denselben Spielern bestehen, wird zur neuen Saison munter durchgewürfelt. Möglich, dass der schwarz-gelbe Verbund seine beiden begabtesten Akteure an die rote Konkurrenz abgeben muss. Wenn es so kommt, erhält der Robert aus Warschau eine frische Etikette verpasst: Südpole. 

 

Und unser Würstchenliebhaber? Finanziert der etwa den Deal? Was sagt die BILD dazu? Was Oliver Pocher? Ist Nazan Eckes wirklich schwanger? Die Antworten: Nächste Woche, live, exklusiv und nicht in Farbe. Same time, same station.


Wir sollten ja schon mal vorsorglich das Vokabular des 25. Mai bemühen...